
EIN JAHR FCA-PRAXIS: EIN BLUEPRINT FÜR KLARE REGELN BEI GROSSBATTERIESPEICHERN
Zusammen mit Netzbetreiber zieht der Speicherentwickler und -betreiber green flexibility Bilanz aus 12 Monaten netzneutralem Speicherbetrieb: Ein FCA-Blueprint aus der Praxis – mit klarer Kritik an zu restriktiven Marktansätzen
EIN FCA BLUEPRINT FÜR DIE BRANCHE
Aktuelle Überlegungen im Markt zu FCA-Vorgaben für Großbatteriespeicher gehen mitunter zu weit. Sie sind häufig zu restriktiv, wirtschaftlich problematisch und teilweise netztechnisch nicht zielführend. Statt Speicher netzverträglich in das Energiesystem zu integrieren, drohen starre oder pauschale Vorgaben sowie Einschränkungen der betrieblichen Flexibilität ihren Ausbau und ihre Nutzung unnötig zu bremsen.
Aus mehr als 15 verhandelten FCAs in den vergangenen Monaten – in unterschiedlichsten Netzgebieten, unter anderem mit LEW-Verteilnetz, im Ostmünsterland, mit VWEW-energie – konnten viele Einblicke und Erfahrungen gesammelt werden: darüber, welche Regelungen praktikabel sind, wo pauschale Vorgaben an ihre Grenzen stoßen und wie sich Netzsicherheit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit besser austarieren lassen.
Zudem konnten gemeinsam mit dem Netzbetreiber AllgäuNetz im operativen Betrieb des Batteriespeichers in Immenstadt weitere wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. Seit rund einem Jahr befindet sich dort einer der ersten netzneutral betriebenen Großbatteriespeicher auf FCA-Basis in Deutschland im Einsatz.

„Zu pauschale oder zu restriktive FCA-Vorgaben helfen dem Netz am Ende nicht weiter. Sie können Flexibilität verhindern, statt sie gezielt nutzbar zu machen. Aus unserer Sicht braucht es deshalb praxiserprobte Modelle, die Netzsicherheit gewährleisten, aber Speicher nicht unnötig in ihrer systemischen Funktion beschneiden.“
Leandra Boes
Director Commercial Asset Management
Aus diesen Erfahrungen ist ein Blueprint aus der Praxis entstanden, entwickelt aus dem realen Zusammenspiel von Speicherbetreiber und Netzbetreiber.
Der Blueprint basiert insbesondere auf dynamische Leistungsbegrenzungen, einem Volllaststunden-basierten Einschränkungsmodell sowie eine systemische Steuerung der Regelleistung. Er kombiniert Netzstabilität, Planungssicherheit und wirtschaftlicher Flexibilität und folgt einem standardisierten, parameterbasierten Ansatz, der zwischen Netzneutralität und Netzdienlichkeit differenziert und Einschränkungen konsequent am tatsächlichen Netzzustand ausrichtet.
„Die Vorschläge von großen Verteilnetzbetreibern zeigen beispielhaft, dass FCAs im Markt noch zu häufig als Einschränkungsinstrument gedacht werden – und nicht als intelligentes Betriebsmodell für netzverträgliche Speicherintegration. Vor dem Hintergrund der wachsenden Rolle von Speicher im Verteilnetz wird ihr Zusammenspiel mit dem Netzbetrieb zunehmend wichtiger. Die Verlagerung der Prognoseverantwortung auf Speicherbetreiber ist nur ein Beispiel dafür, wo aktuelle Ansätze zu kurz greifen. Wer netzsichere, transparente und diskriminierungsfreie Leistungsbegrenzungen will, muss diese Verantwortung dort verankern, wo die relevanten Netzdaten und die Systemverantwortung liegen: beim Netzbetreiber.“
Volker Wiegand
Geschäftsführer AllgäuNetz

Mit dem FCA-Blueprint legt green flexibility eine praxiserprobte Vorlage für zukünftige FCA-Vereinbarungen zwischen Speicher- und Netzbetreibern vor. Im Gebiet der AllgäuNetz werden in 2027 im Zuge dieser erstmaligen FCA-Regelung weitere Großbatteriespeicher ans Netz gehen.
[Der Batteriespeicher in Immenstadt ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Allgäuer Überlandwerk und wurde im Juni 2025 in Betrieb genommen. 15 MW / 33 MWh - Pressemeldung]
Unser Blueprint ist als praxisnahes Angebot für Netzbetreiber, Stadtwerke und ausgewählte Kooperationspartner gedacht. Ziel ist es, gemeinsam in den Austausch zu kommen, Erfahrungen zu teilen und mögliche Ansätze für zukünftige Vereinbarungen weiterzuentwickeln. Interessierte Partner aus diesen Bereichen können sich gerne über das Kontaktformular bei uns melden.
Wichtigste Erkenntnisse auf einen Blick
Mit dem eigens entwickelten FCA Blueprint stellt green flexibility einen praxisnahen Orientierungsrahmen für zukünftige FCA-Vereinbarungen vor. Ziel ist es, Netzsicherheit, wirtschaftlichen Speicherbetrieb und Transparenz für alle Beteiligten sinnvoll miteinander zu verbinden.
Batteriespeicher müssen nicht dauerhaft eingeschränkt werden - Die Erfahrungen aus unseren FCA-Projekten zeigen, dass Netzanforderungen nicht zwangsläufig zu pauschalen Leistungsbegrenzungen führen müssen. Anhand realer Netzsituationen verdeutlicht der FCA Blueprint, wie sich die zulässige Speicherleistung an der tatsächlichen Netzbelastung orientieren kann und so sowohl Netzsicherheit als auch Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.
Batteriespeicher leisten einen wichtigen Beitrag für die Stabilität des Stromsystems. Gleichzeitig können hohe Regelleistungsabrufe Auswirkungen auf lokale Verteilnetze haben. Der FCA Blueprint zeigt einen Ansatz, wie verfügbare Regelleistungsbudgets transparent und diskriminierungsfrei auf angeschlossene Speicher verteilt werden können.

Praxisbeispiele aus dem realen Speicherbetrieb zeigen, zeigen das Potenzial von Batteriespeichern für Netz- und Systemstabilität.
Wenn Sekunden zählen - Unsere Speichern haben geliefert
Beim kurzfristigen Ausfall mehrerer Kraftwerksblöcke im September 2026 reagierten unserer Großbatteriespeicher innerhalb weniger Sekunden auf den automatischen Abruf von Sekundärregelleistung (aFRR) und trug zur Stabilisierung der Netzfrequenz bei.
Solche Ereignisse verdeutlichen, dass Batteriespeicher ihr Potenzial für Netz- und Systemstabilität nur dann voll entfalten können, wenn sie nicht durch pauschale und dauerhafte Einschränkungen begrenzt werden. Der FCA Blueprint zeigt praxisnahe Ansätze, wie Netzsicherheit und ein leistungsfähiger Speicherbetrieb sinnvoll miteinander verbunden werden können.